Richard Maxein - Messer & Outdoor

Fahrtenmesser Grundlagen

Egal ob wir Pfadfinder sind oder nicht, so möchte ich unser „Begleitmesser“ gerne Fahrtenmesser nennen. Es ist das Messer was wir immer am Mann haben sollten, egal ob bei einem kurzen Spaziergang durch den Wald oder einer wochenlangen Expedition.

Das Fahrtenmesser ist auf der Fahrt das wichtigste Messer für uns und muss eine Vielzahl von Aufgaben meistern. Angefangen von der Nahrungszubereitung, über das Auffächern von Holz bis hin zum Spalten von Anzündholz fürs Feuer. Dafür muss es natürlich sehr scharf und zugleich robust sein, stellt also einen gewissen Kompromiss da. Es muss schnell zur Hand sein und einhändig gezogen und wieder weggesteckt werden können. Darum wird es immer griffbereit am Gürtel getragen und eigentlich nur zum Schlafen abgelegt.

Das Angebot an feststehenden Gürtelmessern ist unüberschaubar ebenso wie die Bezeichnungen: Outdoormesser, Jagdmesser, Fahrtenmesser, Feldmesser, Überlebensmesser, etc... Wenn man sich an ein paar Regeln hält kann man aus dieser großen Palette schöpfen und was geeignetes für jeden finden ohne zuvor fünf mal einen Fehlkauf zu tätigen.

Inhalt:

 


Bestandteile eines Messers

Zunächst möchte ich aber nochmal wie bei den Artikel Messerklingen auf den Grundlegenden Aufbau eines Messers zu sprechen kommen. Hier sollte eine grobe Skizze gnügen.


KL = Klingenlänge (so misst der Gesetzgeber, wichtig für den §42a)
KT = Klingentiefe
GL = Grifflänge
ML = Messerlänge
1 = Klinge, 2 = Fehlschärfe (Ricasso)  3 = Knebel (hier mit Fingerschutz)  4 = Fehlschärfe (Ricasso), 5 = Schleifkerbe, 6 = falsche Schneide 7 = Erl/Angel (hier Spitzerl, verdeckt), 8 = Knebel (hier mit Fingerschutz), 9 = Griff (Heft), 10 = Knauf, 11 = Fangriemenöse

 



Klinge

Klingenlänge

Ich empfinde 10 bis 12 cm als ideal. Als Minimum würde ich 9 cm angeben jedoch sollte es auch nicht größer als 14 cm sein, um nicht zu unhandlich zu werden. Größere Klingenlängen sorgen nur für unnötiges Gewicht ohne, vom Brotschneiden abgesehen, an wesentlichen Vorteilen zu gewinnen. Auch wenn wir als Pfadfinder oder zur Hobbyausübung vom Führungsverbot von Klingen über 12 cm ausgenommen sind, laut $42a des  Waffengesetzes, sollte das Fahrtenmesser ein möglichst ziviles Erscheinungsbild haben um auch in der Öffentlichkeit problemlos getragen werden zu können.

 

Klingenstärke

Um die nötige Robustheit zu haben Anzündholz spalten zu können sollte sie zwischen 2,3 und 4 mm betragen. Viele Jagdmesser haben eine Klingenstärke von 5 mm, das ist nicht unbedingt schlecht, erhöht aber natürlich das Gewicht und begrenzt die Eigenschaften des Messers feinere Schneidaufgaben durchzuführen. Außerdem macht es das Messer oft unhandlich und unötig teuer. Es ist eher eine Verkausmasche der Hersteller nach dem Motto: "Viel hielf viel und bringt viel Geld". Außerdem wollen so viele Hersteller auf nummer Sicher gehen dass ihr tolles Messer im Einsatz nicht bricht. Allerdings hat das weniger mit der stärke der Klinge zu tun als mit

 

Klingenform

Empfehlen kann ich eine Drop-Point-Form. Auch Hecht-, Entenschnabel-, oder Bowieklinge sind empfehlenswert.

Die Schneide sollte gerade sein und vorne viel Bauch besitzen. Sie sollte keines Falls konkav (nach innen gebogen) verlaufen, so genannte Recurve-Klingen. Dabei soll die Schneidenlänge verlängert werden was jedoch bei einer 10 cm großen Klinge völlig unnötig ist und das Schleifen erheblich erschwert.
Da heute "taktische Messer" immer beliebter werden sind auch bei immer mehr Messern die Klingen schwarz beschichtet oder "nicht reflektierend" bzw matt. Da wir als aber Waldläufter selten für andere Hinterhalte legen oder andere des Nachts überfallen wollen, haben solche Klingen für uns keinen praktischen Nutzwert. Im Gegenteil, denn die blanke Klinge können wir für Lichtzeichen verwenden um z.B. im Notfall auf uns aufmerksam zu machen. Eine polierte Klinge kann auch als kleiner Spiegel zur Körperpflege dienen. Außerdem verkratzen Beschichtungen beim Schleifen und Arbeiten gerne was dann nicht nur unschön aussieht, sondern auch das gründliche Reinigen der Klinge deutlich erschweren kann.

Falsche Schneide

Die Falsche Schneide befindet sich auf der Oberseite der Klinge. Meist hat sie nur einen optischen Wert. In einigen Fällen wird sie verwendet um die Spitze etwas feiner, spitzer oder leichter zu machen.

Ricasso/Fehlschärfe

Als Fehlschärfe bezeichnet man den ungeschliffenen Teil der Schneide vor dem Griff. Das Ricasso ist der Ungeschliffene Teil der Klinge oberhalb der Fehlschärfe. Nicht alle Klingen mit Fehlschärfe haben ein Ricasso, aber alle Messer mit Ricasso eine Fehlschärfe. Das Ricaso wird häufig zum Anbringen von Makierungen, Stempeln und Schriftzügen verwendet.
Eine Fehlschärfe empfinde ich als äußerst unsinnig da sie die zu ihrem Zweck nutzbare Klingenlänge, bei Messern gehen vom Zweck "schneiden" aus, verkürzt. Die Klingenlänge ist auch eigentlich der Teil der für den Zweck der Arbeit zur Verfügung steht. Da aber alle staatlichen Juristen schlicht vom Griffende bis Griffanfang messen wird auch dies meist als Klingenlänge angegeben. Das heißt das eine 10cm lange Klinge mit 1cm Fehlschärfe eigentlich nur eine nutzbare Klingenlänge von nur 9cm hat. 

Schleifkerbe

Hingegen zur Fehlschärfe macht die Schleifkerbe sehr viel Sinn, wenn auch sie natürlich die nutzbare Schneidenlänge verringert. Dafür hilft sie aber ungemein beim Nachschleifen des Messers. Mann kann die ganze Schneide sauber auf den Schleifstein auflegen ohne dass dieser dadurch beim Schleifen runde Kanten bekommt und zudem den Winkel beim Schleifen über die Klingenlänge viel sauberer einhalten.



Erl/Angel

Am stabilsten sind Vollintegral-/Halbintegral- und Flachangelmesser. Jedoch sind sie i.d.R. relativ schwer. Für ein gutes Fahrtenmesser reicht eine Spitzerl. Er sollte allerdings möglicht bist ganz durch den Griff reichen. (Für weitreichernde Informatioen zu den verschiedenen Angel/Erl- Versionen und deren Vor- und Nachteile siehe den Artikel Messerklingen.)

 


Griff

Der Griff sollte in erster Linie griffig sein damit das Messer sicher geführt werden kann. Hier bevorzugen einige Gummi oder Kautschuk. Auch Micarta, G10 etc. werden immer beliebter. Ich persönlich bevorzuge Holz. Das fühlt sich immer angenehm an und sieht optisch meiner Meinung nach noch am besten aus. Für mehr Rutschfestigkeit können Zwischenlagen aus Leder oder Kork sorgen.

Vorne sollte sich ein Fingerschutz befinden oder der Griff so gestaltet sein, dass man nicht nach vorne in die Klinge abrutschen kann.
Eine Fangriemenöse ist kein Muss, hier kommt es mehr auf den persönlichen Geschmack an und ob man wirklich weis wie man den Fangriemen mit einer Handdrehung um die Hand wickelt und so das Messer weitgehend verlier- und verruchsicher in der Handbläche fixiert.
 


Gewichtverteilung

Die Gewichtverteilung spielt für ein sicheres, ermüdungsfreies Arbeiten und für die Führungswilligkeit des Messers eine entscheidene Rolle. Hier trennt sich meist, unabhängig aller anderen Kriterien und Materialien, die Spreu vom Weißen. Zum Ermitteln des Schwerpunkts greift man das Messer möglicht weit vorne am Griff, direkt hinter dem Fingerschutz. Jetzt öffnet man vorsichtig die Hand und versucht das Messer auf den Zeigefinger balancieren zu lassen. Hat es keine starke Tendenst richtung Klinge (Kopflastig) oder Griff (Grifflastig) zu pendeln ist die Gewichtverteilung für ein Fahrtenmesser idial. Fast alle Messer sind Griff- oder Kopflastig. Wichtig ist hier, dass man es angenehm und nicht störend empfindet. Viele "Outdoormesser" sind deutlich zu schwer auf der Klinge, d.h. Kopflastig. Verusacht häufig durch eine viel zu große Klingenstärke. Lediglich bestimmte Jagdmesser für bestimmte Aufgaben sollten schwerer auf der Klinge sein, wie ein Weidblatt, Abfänger oder Aufbrecher. Oder Hackmesser wie eine Machete oder andere große Messer deren Hauptafgaben nicht mehr Primär im Schneiden sonden mehr im Abhacken liegen. Vollintegralmesser sind häufig viel zu Grifflastig. Das stört auch sehr beim Tragen am Gürtel. Messer mit besonders leichter Klinge und schwererem Griff sind vorallem da Sinnvoll wo es auf feine Arbeiten im beengten Raum ankommt. Chirogische Messer, feine Schnitzmesser, Messer zur Gartenarbeit oder Jagdmesser wie Skinner um das Fell des Tiers an der Innenseite abzulösen.
 


  

Beispiele

Hier drei Serienmesser die ich verwendet habe und als Fahrtenmesser empfehlen kann. Tests unter Fahrtenmesser Rezesionen nachzulesen.


von oben nach unten:
Helle Nr. 90 Brakar
mit Spitzerl durch den gesamten Griff, verklebt und hinten verniett. 12,5cm Klingenlänge, Drop-Point Spitze ohne Fehlschäfe, Ricasso oder Schleifkerbe. Griff mit kleinem Fingerschutz.
Puma IP Catamount II Eiche mit Flachangel mit integriertem Fingerschutz, 11,2cm Klingenlänge und Ricasso oberhalb des Fingerschutzes. Griffschalen seitlich auf der Flachangel angebracht, verklebt und vernietet, mit Knauf und Fangriemenöse.
Marttiini Condor Jagdmesser 11cm mit Steckerl und 11cm Klingenlänge. Hecht-Spitze, falscher Schneide und Schleifkerbe und kurzem Ricasso oberhalb dieser. Knebel mit großem Fingerschutz, Griff aus Kautschuk mit großem Knauf. 

 


Selbst gebautes Fahrtenmesser:
Klinge vom Helle Nr. 90 Brakar (1) der Spitzerl reicht duch den gesamten Griff bis zur Endplatte aus Messing, Knebel aus rostträgem Stahl und Messing (2), Griff aus Holz und Leder (4) mit Fingerschutz (3) und Knauf mit Fangriemenöse (5).


Selbst gebautes Fahrtenmesser "Doro":
Klinge der Firma Helle, 9,9cm lang mit kurzer Fehlschärfe und Ricaso, Drop-Point Spitze. Knebel aus Messing, Griff aus Holz, Kork und Leder mit Fingerschutz, Knauf und Fangriemenöse.

 

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Stand 10/2016

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