Richard Maxein - Messer & Outdoor

Allgemeines


Hier will ich einige generelle Dinge zu meinen selbst hergestellten Messern sagen.

Inhalt:


Verwendete Klingen:

Ich will keine Messer nur für die Vitrine bauen, sondern habe den Anspruch, dass man diese auch benutzen kann und bei richtigem Gebrauch ein Leben lang halten. Ich bau meine Messer in einer kleinen Heimwerkstatt in der ich alle Arbeitsschritte von Hand mache. Leider habe ich weder Platz, Ausstattung noch die Fähigkeit Klingen selbst zu schmieden (ich denke viele der heutigen Messerbauschmiede glauben nur sie hätten die Fähigkeit dazu). Da die Klinge das Wichtigste an einem Messer ist lautet meine Devise: "Keine Expirimente!"
Daher verwende ich ausschließlich Klingen von Markenherstellern wie: Helle, Mora of Sweden, Anssi, Lauri, Carl Linder, Rudolf Weber J. (Hirschrone), Karesuandokniven etc.. .
 

Griffmaterialien:

Für die Griffe verwende ich fast ausschließlich natürliche Materialien. Am meisten und liebsten Holz. Daraus besteht i.d.R. der Großteil des Griffs. Aber auch Knochen, Horn, Leder, Rinde, Kork, Buntmetalle wie Messing und Neusilber, Stahl und als unnatürliches Material Vulkanfiber für farbige Zwischenscheiben und Acryl.


Holzsorten:

Zunächst beschränkte ich mich bei meiner Holzauswahl auf einheimische Hölzer wie Eiche, Walnuss, Birke, Buche, Ahorn, Apfel, Birne, Esche, Kirsche, Zwetschge etc...
Dann kamen auch andere Hölzer wie Rosenholz und Palisander hinzu. Inzwischen verwende ich fast alles, Voraussetzung ist, mir gefällt das Holz, es ist als Griffholz geeignet und es passt zum Thema des Messers. Wichtig für mich ist allerdings, dass das Holz was als erstes hinter der Zwinge/Passung/Parier folgt, ein hartes und widerstandsfähiges Holz ist, da hier die Belastung am größten ist.
 

Horn und Knochen

Es kommt auch vor, dass ich Hirsch- oder andere Geweihe verwende. Dabei ist Geweih kein Horn wie es umganssprachlich heißt sondern fester Knochen. Horn wird aus der Haut gebildet, z.B. die Hörner einer Kuh oder Büffelhorn. Ich verwende allerdings nur ungern Knochen da der Gestank der bei der mechanischen Bearbeitung entsteht in mir einen tiefen Würgereiz auslöst.

Leder

Echtes Leder ist gegerbte Tierhaut, zumindest ein Teil der Haut. Es stellt somit ein natürliches Material da. Es ist gut zu bearbeiten und sehr beanspruchbar. Ich verwende es bei meinen Griffen um einzelne Holzschichten voneinder Abzutrennen. Zum einen gleicht es so feine Unebenheiten und Winkelfehler der Stirnseiten aus, zum Anderen verbessert es die Griffigkeit und Rutschfestigkeit eines Holzgriffes.
 

Kork und Birkenrinde

Kork ist die Rinde der Korkeiche. Birkenrinde und Kork verwende es bei meinen Messergriffen aus den gleichen Gründen wie Leder. Man kann aber auch ganze Griffe daraus machen (aus Leder ebenso).

Metalle

Für Zwingen, Knebel, Pasungen, Endplatten und Zwischenschichten verwende ich verschiedene Buntmetalle. Meist Neusilber oder Messing aber auch Bronze, Zinn und Aluminium. Neusilber ist eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung. Ich verwende CuNi18Zn20. Es ist sehr hart, und glänzt poliert wie Silber, läuft aber, wie alle Metalle (außer Gold), mit der Zeit an. Größter Nachteil an Neusilber ist, dass es 18% (bis zu 25%) Nickel enthält und so bei Menschen mit einer starken Nickelallergie Probleme auslösen kann (wie Modeschmck oder Jeansknöpfe). Messing ist eine Kupfer-Zink-Legierung und hat poliert eine schöne goldgebe Färbung (CuZn39Pb3). Es reagiert aber relativ stark bei Kontakt mit Leder. Das Messing läuft schneller an und das Leder bekommt dort einen dunklen Fleck. Bronze ist ebenfalls eine Kupferlegierung und kann je nach Zusammensetzung sehr unterschiedlich aussehen. Poliert geht Bronze mehr mehr ins goldene, kann aber auch rötlich wirken. Es läuft dunkel bis bläulich an, so wie man es von öffentlichen Staturen kennt. Zinn ist sehr weich, so weich dass ich es nur noch für Zwischenscheiben im Griff verwende. Hier kommt ihm die einfache Bearbeitbarkeit zugute. Aluminuim glänzt poliert fast schon weiß, läuft aber sehr schnell an. Es ist sehr leicht, ebenfalls einfach bearbeitbar und lebensmitteltechnisch unbedenklich. Siehe z.B. Alu-Besteck oder Alu-Töpfe. Daher verwende ich es gerne als vorderste Platte zwischen Griff und Klinge bei Messern die vor allem mit Lebensmitteln in Berührung kommen und leicht sein sollen. Rostträger Stahl hat von allen die besten Eigenschaften. Vorausgesetzt er ist wirklich rostträge. Hier sollte man en wenig auf die Zusammensetztung achten. Für Zwingen und Knebel kann ich V2A-Stahl empfehlen. V2A (Versuchsschmelze 2 Austernitisch) von Krupp wurde speziell für Amaturen wie Wasserhähne etc. entwickelt. Er ist relativ günstig und als Stangenware zu bekommen. Ebenso V4A von Krupp. Man kann natürlich auch Messerstähle nehmen wenn man welche hat. Alles mit einem Chromgehalt ab 13%, für Tauchermesser würde ich jedoch nur 1.4125 verwenden, der hat sich in Tests sogar ATS-34 und RWL als überlegen erwiesen.

Zusammenbau:

Die Stücke, Scheiben, Knebel etc. werden sorgfältig an die Angel angepasst. Die Angel wird zuvor auch bearbeitet, aufgeraut, gereinigt und entfettet. Verklebt wird alles mit 2-Komponentenkleber, i.d.R Uhu Endfest 3000. Einige Griffe werden zusätzlich noch von hinten vernietet oder seitlich verstiftet.

Bilder vom Schnitzmesser "Lauri 70". Die Klinge ist schon vorbereitet, ein dünner Knebel aus Messing ist schon bis zur Klingenwurzel aufgeschoben. Der Spitzerl ist auf beiden Seiten leicht eingeschlitzt und aufgeraut damit später der Kleber besser hält. Das erste Stück Griffholz hat bereits eine viereckige Aussparung für den Erl. Auf dem 2. Bild sieht man die wie Schichten des Griffs bereits fest verklebt sind.





Bilder vom Messer "Rustikal". Hier der erste Griff den ich leider nach dem Verkleben wieder entfernen musste. Dazu spaltete ich ihn. Gut zu erkennen ist dabei wie genau der Spitzerl in den Griff eingepasst ist. Diese Passung mit dünnen langen Feilen durch den gesamten Griff zu feilen ist die zeitraubenste Arbeit beim Messerbau. Danach folgen Bilder mit neuem Griff, Endplatte und Knebel.   

Bilder vom Waldmesser "Schweden". Da der Spitzerl nicht durch den gesamten Griff reicht wurde er am vorletzen Stück aus Elchgeweih vernietet. Für das letzte Griffstück, den Knauf, nutze ich einen zusätzlichen Nagel zur Stabilisierung.
 


Bilder vom Messer "Doro". Der Knebel wurde mit einer genauen Passung an den Erl angepasst, wie bei allen meiner Messer. Auch hier ist der Erl wieder hinten vernietet.

Hier zur Abwechslung das Messer "Kugar" mit breiter Steckangel. Idial um eine stabilisierende aber hauptsächlich dekorative Verstiftung anzubringen.. Die Bilder zeigen wie ich durch Griff und Angel ein Loch für einen Querstift bohre und anschließend diesen verklebe. Zum Schluss das fertige Messer mit Scheide.



Hier noch Bilder vom Handtaschenmesser "Oma". Es zeigt aus wie vielen verschiedenen Schichten der Griff aufgebaut ist. Ganz im Gegensatz zum "Rusikal" welches nur aus einem einzigen Griffholzstück besteht. Der Vorteil dieser vieler Schichten ist, dass die Erlausparung in jedem Stück leicht hergestellt werden kann, jedoch für jede Schicht von vornherein die Position auf der Angel genau festgelegt sein muss. Außerdem ist das saubere Verkleben aller Schichten auf dem Erl wesentlich schwieriger.

 

Ölung:

Alle Griffe werden bei mir über mehrere Tage im Leinölbad getränkt und dann getrocknet. Das schützt das Holz vor Feuchtigkeit und Schweiß, hebt Farbe und Maserung hervor, verhindert nicht die natürliche Alterung/Patina, ist lebensmitteltechnisch unbedenklich und jederzeit wieder erneuerbar. Beim tränken wird das Leinölgefäß mit dem Messer in heißes Wasser gestellt und dieses immer wieder erwärmt. Das setzt Viskosität des Leinöls herabt und ermöglicht es ihm tiefer in das Holz einzudringen. Da mit sich die sich die Poren des Holzes etwas Öffnen erwärme ich das Messer ca. 2 Stunden im Backofen auf 40-50°C. Das ist für Klinge und Klebstoff vollkommen unbedenklich.

Hier Bilder vom Schnitzmesser "Lauri". Zusehen ist der fertige Griff vor und nach dem Ölen. Man beachte wie sehr sich die Optik des Holzes ändert. Fast alle Hölzer werden beim Ölen dunkler und erhalten zugleich einen feinen Glanz nach dem Polieren. Man sollte vor dem Bau eines Messers an Holzstücken unbedingt testen wie sie ihre Farbe verändern.



 

Scheiden:

Die Scheiden werden ebenfalls von mir in Handarbeit auf das Messer maßgefertigt. Dazu verwende ich i.d.R. dickes Vollleder oder Orthopädieleder. Ich habe aber auch z.B. eine Scheide aus schwerem Kothenstoff genäht oder nur aus Holz gebaut.
 
 

Köcherscheiden mit Keder 

 
 
 


Scheiden mit Inlay

Meine erste Scheide: Schwere Scheide aus Ortopädieleder mit Inlay (Durchstechschutz) aus Fichtenholz.



Scheide aus schwerem Kothenstoff und Inlay aus Fichtenholz.




Scheide mit Keder und Überwurf








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Stand 10/2016

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