Richard Maxein - Messer & Outdoor

Sachwortverzeichnis

Dieses Sachwordverzeichnet soll euch helfen euch in der großen Begriffswelt um Messer und Stahl herum zurechtzufinden.

  • Abzugsphase: auch Schneidphase oder Sekundärphase, also der eigentlichen Schneide, diese bildet die Schneidkante und hat i.d.R einen (Schneiden-)Winkel zwischen 16° (nur Kohlenstoffstähle) und 60°.

  • Anfangsschärfe: Maximale Schärfe die ein Stahl annehmen kann.
     

  • Angel: Hinterer Teil der Klinge, der im Griff verschwindet oder den Griff bzw. einen Teil des Griffes bildet. Zu den Erltypen siehe bitte: Messerklingen. Auch Erl genannt.
  • Axis-Lock: Vom US-Messerhersteller Benchmmade entwickeltes und patentiertes Verriegelungssystem. Eine quer durch den Griff gehende Achse springt beim Öffnen des Messers federbetätigt hinter die Klinge und sperrt diese. Zum Entriegeln des Messers muss die Achse wieder gegen die Feder zurück gezogen werden. Der Axis-Lock gilt als sehr sicher.
  • Backen: Vor allem Flachangelmesser und klassische Klappmesser haben am Griffanfang und ggf. am Ende Backen aus Metall. Diese sind meist aus Neusilber, Messing oder Stahl.   
  • Back-Lock: Verriegelungssystem bei Klappmessern. Beim Öffnen der Klinge schnappt eine Rückenfeder hinter der Klinge ein und sperrt diese. Zum Entriegeln muss die Rückenfeder, meist am Griffende oder auf der Mitte des Griffrückens, heruntergedrückt werden.
  • Blutrinne: Bei einigen „echten“ Jagdmessern (z.B. Eickhorn Hunter) längs in der Klinge verlaufende Rinne. Sie dient jedoch nicht zum Ablaufen des Blutes sondern damit nach einem Stich durch den Brustkorb in die Lunge des Wildes Luft nachziehen kann und so die Lunge kollabiert.
     

  • Druckschnitt: Beim Schneiden wird das Messer nur in Richtung Schneidgut bewegt. Eine Vor- und/oder Zurückbewegung der Klinge findet nicht oder nur kaum statt. Beispiele: Rasieren, Schnitzen, Obst schneiden
  • EDC: Every Day Carry - meint auf deutsch etwa "jeden Tag dabei". 
  • Erl: Hinterer Teil der Klinge, der im Griff verschwindet oder den Griff bzw. einen Teil des Griffes bildet. Zu den Erltypen siehe bitte: Messerklingen. Auch Angel genannt.

  • Falsche Schneide:  Hier ist ein Schliff des Messes angedeutet, aber nicht scharf geschliffen. Oft an der Oberseite der Spitze aus optischen Gründen oder um etwas Gewicht zu sparen.

  • Fehlschärfe: Ungeschliffener Teil der Klinge an der Klingenwurzel, bildet somit das Ricasso. Früher war de Fehlscharfe bei großen Messern und Schwertern wichtig um verrschiedene Grifftechniken ausüben zu können. Heute hat sie keine Bedeutung mehr. Hier wird aber oft das Logo des Herstellers angebracht.
     

  • Fingerschutz: Element im Griff oder der Passung/Zwinge um zu verhindern, dass man z.B. mit nassen Fingern vorne in die Klinge rutscht.
  • Fixed Blade: Meint ein feststehendes Messer.
  • Flacherl: siehe Erl
  • Folder: Englischer Begriff für Klappmesser.
  • Gebrauchsschärfe: Eine Schärfe die beim Nachschleifen „im Feld“ noch erreichbar sein sollte. Eine Unterarmrasur ist damit nicht mehr möglich. Ich teste sie, indem ich mit der Klinge versuche ganz flach eine hauchdünne Schicht vom der Fingernageloberseite abzuschneiden. Wenn das Messer greift und sich ein ganz feiner Span bildet ist es scharf genug.

  • Griff: der hintere Teil des Messers an dem man das Messer mit der Hand aufnimmt und führt.

  • Härte: bei Messern in Rockwell gemessen daher auch Rockwellhärte. Sie gibt damit auch die maximale Härte des Schneidguts an, die etwas unter der Klingenhärte liegen sollte, das mit der Klinge durchtrennt werden kann und liegt bei Messern zwischen 53 und 62 HRC.

  • Heft: siehe Griff

  • Inox: aus dem Französischen für „Rostfrei“
     

  • Karbide: Kohlenstoff (C) bildet mit weiteren Legierungselementen wie Chrom (Cr), Vanadium (V), Molobdän (Mo) und Mangan (Mn) so genannte Karbide bzw. Sonderkarbide von sehr hoher Härte. Das ist erwünscht. Jedoch bilden diese Karbide i.d.R. große "Brocken" (Korngrößen) im Stahlgefüge die dann an der Schneidkante herausbrechen können. Das wiederum ist unerwünscht. Die perfekte Mischung aus harten Karbiden und geringen Korngrößen im Stahlgefüge zu schaffen ist ein Problem, dass die Messerhersteller von jeher bis heute beschäftigt.
  • Knebel: So wird oft das Element genannt, dass die Klinge sauber vom Griff abgrenzt. Diese besteht in der Regel aus Stahl, Buntmetallen wie Messing, Bronze und Neusilber aber auch z.B. aus Knochen. Ein typischer Knebel besitzt einen Fingerschutz.
  • Klingendicke: siehe Klingenstärke

  • Klingenhöhe: siehe Klingentiefe

  • Klingenlänge: Länge der Klinge vom Griff bzw. Knebel bis zur Spitze, inkl. Ricasso.

  • Klingenrücken: Oberseite der Klinge, der Schneide gegenüberliegende Seite.
     

  • Klingenstärke: Dicke der Klinge, meist am Klingenrücken. In der Regel 2 bis 5 mm.
  • Klingentiefe: Der geringste Abstand von der Schneide bis zum Klingenrücken.
  • Klingenwurzel: Übergang von Knebel zur Klinge.
     

  • Klingenspiegel: Eine längs der Klinge verlaufende Vertiefung in der Klinge. Sie dient zur Reduzierung von Gewicht oder optischen Gründen.
     
  • Laguiole: Ein französischer Klappmessertyp mit langen, dünnen und geschwungenen Griff. Dieser ist aus Holz oder Horn. Weiterhin typisch ist die Biene auf der Fliege, also auf der Oberseite der Rückenfeder. Der Klingenrücken ist meist durch Feilarbeiten verziert, manchmal auch die Platinen. Die Messer weisen oft auf den Griffseiten ein durch 7 Nägel dargestelltes Kreuz auf. Man sagt die Viehhirten haben es früher mit der Klinge vor sch in den Boden gesteckt um zu Beten. Etwas was der Klinge nicht gut getan haben dürfe. Der Begriff Laguiole ist nicht geschützt, trotzdem kommen "echte" Laguiole nur aus den Städten Laguiole und Thiers in Frankreich. 
  • Laminatstahl: Klinge bestehend aus zwei Stahlsorten. Außen an den Klingenflanken jeweils eine Lage aus weichem Stahl die der Klinge Bruchsicherheit verleihen sollen. In der Mitte an der Schneide eine Lage aus hartem Klingenstahl. Laminatstahl kann sowohl aus hoch legiertem Stahl als auch aus Kohlenstoffstahl bestehen. Beispiel rostträger Laminatstahl der Firma Helle: Außen je eine Lage 18/8 Chrom-Nickel-Stahl (bekannt z.B. von Essbesteck) und in der Mitte "Klingenstahl" aus X75Cr14 mit einer Härte von 59 HRC für hohe Schnitthaltigkeit.

 

  • Liner: siehe Platinen
  • Liner-Lock: Verriegelungssystem von Klappmessern. Hier ist eine Stahlplatine innen im Griff angebracht die beim Öffnen des Messers hinter die Klinge springt und so diese arretiert. Zum Entsperren der Klinge muss die Platine mit dem Daumen wieder beiseite geschoben werden. Ein gut gemachter Linerlock gilt als sehr sicher.
  • Locksmith: Verriegelungssystem von Victorinox. An der linken Messerseite wird eine Platte nach hinten geschoben und somit das arretierte Messer wieder entriegelt.
  • Passung: siehe Knebel
     

  • Parrierelement: Ein Element am Griff das verhindern soll, dass das gegnerische Messer im Kampf die Finger/Hand berühren kann. Oft als Stange ausgeführt, bei Messern heute fast nur noch bei Bowies zu sehen. Beim Schwert gleich der Parierstange.
  • Platinen: Tragende Struktur beim Klapmesser, auf englisch Liner genannt. Auf ihnen sitzen i.d.R. die Griffschalen. Zwischen ihnen die Klinge und/oder Werkzeuge. Meist sind sie aus Stahl, Aluminium, Messing oder Neusilber, heute aber auch gelegentlich aus Titan.
     
  • Recurve: Eine Schneidenform, die Schneide verläuft hier konkav. Verlängert ein ganz kleines bisschen die Schneide, ist aber oft nur aus otischen Gründen gemacht. Dafür sind solche Klingen nicht mehr auf einem Wasserschleifstein schärfbar.
  • Ricasso: Ist der Teil der Klinge der nicht geschliffen ist. Sitzt bei den meist an der Klingenwurzel oberhalb der Fehlschärfe. Wurde früher bei Schwertern und anderen Blankwaffen für verschiedene Grifftechniken benötigt. Meist sind hier auch Spempelungen oder Logos angebracht. 
  • Primärphase: Anschliff der Klingenseiten. Zu unterscheiden sind hier Flachschliff, balliger Schliff (konvex geschliffen) und Hohlschliff (konkav geschliffen), Skandischliff und Dünnschliff (da beide keine Secundärfase besitzen).
  • Rostträgheit: Der Widerstand des Stahls vor Oxidation. Kein Stahl ist rostfrei! Selbst sehr rostträger Stahl sollte nach Berührung mit Salzwasser und vor allem mit Säure z.B. Zitronensäure, Zwiebelsaft, Tomatensäure etc. sofort gereinigt werden!
     
  • Skandi-Schliff: Nordische (skandinavische) Form des Flachschliffs ohne Abzugsphase. Entwickelt von den Lappen und Samen. Hat besonders gute Eigenschaften beim Schneiden von Holz und Fleisch. Außerdem ist er einfach zu schärfen und gibt der Klinge eine hohe Stabilität.
  • Schartigkeit: Die Schartigkeit der Schneide. Beim Gebrauch brechen aus der Schneide mikroskopisch kleine Teilchen aus dem Stahlgefüge. Je feiner das Stahlgefüge ist desto kleiner sind diese Teilchen und desto geringer die Schartigkeit. Die feinsten Gefüge haben Kohlenstoffklingen. Eine möglichst geringe Schartigkeit ist eine Voraussetzung für einen möglichst sauberen Schnitt höher Schnittgüte. Eine große Schartigkeit wiederum sorgt beim ziehenden Schnitt für eine Art Sägewirkung was auch erwünscht sein kann wenn die Schnittgüte nicht wichtig ist. Jedoch ist die Schartigkeit ein Zeichen für den Verschleiß und dort wo schon einige Teilchen aus dem Stahlgefüge ausgebrochen sind brechen schnell weitere Teilchen aus der Schneide. Der Schnitt wird immer unsauberer. Ein Nachteil hochlegierter Klingen mit großen Karbiden.

  • Schärfbarkeit: Wie gut kann ich ein Messer nachschleifen? Gut nachschärfbare Stähle sind meist Kohlenstoffstähle. Mit steigendem Legierungsgehalt, Härte und Karbidmenge wird ein Nachschärfen i.d.R. immer schwerer. Bei meinen Empfehlungen für Messer und Stahl spielt die Schärfbarkeit eine große Rolle. Denn was nützt ein stumpfes Messer oder eins was nur die ersten 3 Wochen im Neuzustand scharf ist. Als Maßstab habe ich genommen was mit einem normalen Wasser-Schleifstein von Hand ohne Maschinen bis auf Anfangsschärfe nachschärfbar ist. Aber auch was man mit einem normalen Abziehstein, den man auch im Lager oder auf Fahrt dabei hat, noch wieder auf gute Gebrauchsschärfe bekommt.

  • Schneidhaltigkeit (oft Schnitthaltigkeit genannt): Der Widerstand der Schneide eines Werkzeugs gegen Abnutzung durch mechanische, thermische und chemische Einflüsse. Also wie lange bleibt ein Messer beim Gebrauch scharf.

  • Schneidfähigkeit: Das Vermögen einer Schneide, irgendeinen Körper, der weicher ist als die Schneide, mehr oder weniger wirksam zu durchtrennen. Wir bezeichnen das gewöhnlich als Schärfe. Klar ist auch dass hier die Geometrie der Klinge eine maßgebliche Rolle spielt. Je feiner die Klinge und die Schneide ist desto leichter fällt das Durchtrennen und desto höher ist die wahrgenommene Schärfe des Messers.

  • Spitzerl: Langer Erl der sich an der Klingenwurzel schnell in der Höhe verjüngt und oft durch den gesamten Griff reicht. Die Stärke (Dicke) des Erls entspricht i.d.R. der Klingenstärke. 
     

  • Trappert Tang: Spezielle Form des Flacherls dessen Stärke sich nach hinten verjüngt, also die Dicke immer schmaler wird. Grund ist eine Gewichtsreduzierung.
  • Tip-Down: Tragweise von Klappmessern mit Gürtelklipp. Tip-Down bedeutet mit dem Griffende nach oben und der Klingenachse nach unten. Bei Tip-Up verhält es sich genau umgekehrt.
  • Tip-Up: siehe Tip-Down
  • Washer: Englischer Begriff für Gleitscheiben. Sie sitzen bei einem Klappmesser auf der Klingenachse zwischen Klinge und den Platinen.
  • Zugschnitt: Beim ziehenden Schnitt wird das Messer kaum in Richtung Schneidgut bewegt. Gleichzeitig findet große Vor- und/oder Zurückbewegung der Klinge statt. Ähnlich einer Säge. Kommt im Alltag kaum vor.
     

  • Zwinge: Wie die Passung jedoch meist in Hülsenform und ohne Fingerschutz.

 


Das Sachwortverzeichnis hier erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Korrektheit. Es soll dem Interessierten als Hilfe dienen.



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